29.03.2014

Hartz IV-Tagebuch: Nicht weit von der Tafel - ein neues Einkaufsparadies wird hochgezogen

Bad Camberg

REWE baut an dieser Stelle neu, da die derzeitige Verkaufsfläche nicht mehr den Anforderungen einer Kleinstadt mit - man staune - sieben Supermärkten entspricht.

Neben diesem Überangebot gibt es seit Jahren eine Einkaufsmöglichkeit für verarmte Menschen, »Unser Laden« genannt, die auf die freiwillige Hilfe der Betreiber (Kirchengemeinde/Caritas) sowie auf ausgesonderte Lebensmittel der Märkte angewiesen sind.
Wenn vorhanden. Und: solange diese Hilfe bestehen kann, was sicherlich nicht nur vom Engagement der Helfer abhängig ist, sondern auch von den Mietkosten und Umlagen des Ladens (etwa die Größe einer normalen 3 Zimmer-Wohnung), die nur zu einem geringen Teil über den Erlös gedeckt werden können.
Nach meinen Informationen beteiligt sich die Stadt Bad Camberg nicht an den Mietkosten, was ich persönlich als beschämend empfinde, sollte dies der Fall sein.

Sozialer Wohnraum wird abgebaut, das Jugendzentrum wurde schon seit längerer Zeit geschlossen (obwohl die Räumlichkeiten der Stadt gehören) und das Personal der sogenannten Stadtjugend- und Altenpflege (ehemals drei Mitarbeiter/Innen) auf eine einzige Stelle gekürzt. Soziale Arbeit kostet Gehälter. Ergo, verabschieden wir uns von der Verantwortung.

Dafür bedient sich die Kommune an der sprudelnden Quelle »Jobcenter«, ihren Bedarf an 1 Euro-Zwangsarbeiter zu decken, um ihnen -  wenigsten für einen Euro -  den Gang zur Tafel zu ermöglichen, die man nicht unterstützen möchte, damit der Gewinn an 1 Euro-Jobber nicht geschmälert wird.

Wir sind Kurstadt.



Mehr Angebot, mehr Konsum, mehr Umsatz, mehr Sozialabbau












Kommentare:

PeWi hat gesagt…

Das ist das Ergebnis der sogenannten Schuldenbremsen, die Lieschen Müller und Hans Jedermann so toll finden.

frei-blog hat gesagt…

@PeWi,
in Bad Camberg fehlen schon ein Großteil der Sozialwohnungen, die nun ganz normal weitervermietet werden. Für die Übriggebliebenen kann man sich auf eine Warteliste setzen lassen und dafür erst einmal 120/140 Euro hinterlegen. Die Wartezeit beträgt Jahre.
Ich hatte kürzlich ein Gespräch mit einem Mitarbeiter der Caritas: Sozialer Wohnraum wird zusehens privatisiert ...
Die Schließung der 2 Jugendräume in der Kernstadt ist eine Schande ... angeblich besteht kein Bedarf, was ich widerlegen kann, da ich 2 Jahre lang die Einrichtung betreut hatte (25,5 Stundenwoche als Aufstocker).
Dafür haben wir seit einiger Zeit einen Mc Donald's, der die Landschaft mit Müll versogt.
Und: als Fahrradfahrer muß man schon aufpassen, dass man sich auf den maroden Sraßen nicht den Hals bricht.