23.05.2014

Stromsperren: schlimmer als Knast

Holdger Platta

Artikel 1 GG:
“Die Würde aller Menschen, die über ein mittleres oder hohes Einkommen verfügen, ist unantastbar”.


Kommt Ihnen an diesem Satz etwas merkwürdig vor?
Richtig: Eigentlich heißt es: “Die Würde des Menschen” – aller Menschen.

Da ja niemand so gemein wäre, die zuständigen Behörden und die Stromlieferanten des Verfassungsbruchs zu bezichtigen, können wir daraus nur eine Schlussfolgerung ziehen: Personen, die es aus sozialer Not heraus nicht mehr schaffen, ihren Strom zu bezahlen, sind überhaupt keine Menschen. Denn ist es etwa “würdig”, ohne warmes Wasser und warme Mahlzeiten zu leben, ohne Telefon, Internet, Radio und Fernsehen, mit ungebügelter Wäsche, frierend und im Dunkeln? In Anlehung an Marie Antoinette könnte man da vielleicht raten: “Wenn sie keinen Strom mehr haben, sollen sie halt Kerzen aufstellen!”
Holdger Platta weist in seinem erschütternden und hervorragend recherchierten Artikel auf einen alltäglichen Skandal hin, der selbst in “linken” und sozial engagierten Kreisen viel zu selten, viel zu wenig vehement kritisiert wird.

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Quelle: Hinter den Schlagzeilen



Mein Kommentar zu diesem Artikel (leider ist die Kommentarfunktion auf "Hinter den Schlagzeilen" deaktiviert):

Die Meinung, dass Betroffene selbst Schuld daran tragen, ist leider weit verbreitet, wird dazu noch politisch sowie medial bekräftigt und angeheizt. Kein Thema für ein Gespräch mit dem Nachbar. Die bittere Realität der "Anderen" wird ausgeschwiegen und als selbstverständlich akzeptiert, was ich als eine gesellschaftliche Mitschuld bezeichne. Man darf es (ich gehe hier von meiner eigenen Situation als Langzeitarbeitsloser aus) im privaten Umfeld nur nicht so offen aussprechen, ohne Gefahr zu laufen, noch weiter in die gesellschaftliche Isolation getrieben zu werden.

Ich beziehe mein Warmwasser nicht über die zentrale Heizungsanlage, benötige dafür Strom, und komme somit auf eine monatliche Abschlagszahlung von 71 Euro, die sich - trotz weniger Verbrauch und Sparsamkeit -  jährlich durch steigende Energiepreise erhöht. Weitere Srompreiserhöhungen wurden ebenfalls schon angekündigt. Ich übertreibe keineswegs, wenn ich eine mögliche Zahlungsunfähigkeit (Nachforderungen) und somit eine eventuelle Stromsperre mittlerweile als Bedrohung empfinde.
(Warmwasserkosten über eine zentrale Heizung werden für Hartz IV-Bezieher aus der erstattungsfähigen Umlagenabrechnung sogar herausgerechnet).

Mit dem letzten Bescheid des Jobcenters (Erstattung meiner Umlagen/Heizkosten für 2013) bekam ich "erstmals" ein zweiseitiges Schreiben, indem ich - sinngemäß - darauf hingewiesen wurde, dass ich keinen unbedingten Anspruch auf Erstattung hätte. Auch hier mehrmals versteckte "Drohungen" sowie Belehrungen über ein angemessenes Verhalten! als Hartz IV-Bezieher.
Soweit zu würdigen Lebensbedingungen.

Lieber Holdger,
ich hoffe, dass Dein Artikel eine weite Verbreitung findet.

1 Kommentar:

solitarythinkers hat gesagt…

Willkommen im Paradies des vereinten Europas, das uns tagtäglich mannigfaltige Wonnen beschert. Das neue Feudalzeitalter ist wohl mit voller Wucht angekommen, egal ob im Norden oder im Süden.
http://www.griechenland-blog.gr/2013/11/350000-haushalte-in-griechenland-ohne-strom/74114/

Schönen Gruß noch,
Plutonia of SolitaryThinkers