10.07.2014

Verzwickte Angelegenheit

Manche Dinge sind einfach zu viel für mein zartes Gemüt.
Im Supermarkt schreit ein Kleinkind, weil es angeblich nicht genug zu essen bekäme (Ü-Eier, Fruchtzwerge), mit dem Ergebnis, dass die mutmaßliche Rabenmutter ebenfalls zu brüllen anfängt, mich dabei anblitzt, als hätte ich den Schreihals, zur allgemeinen Belustigung, zu einer familiären Terrorvorstellung aufgewiegelt. Lassen sie ihn doch protestieren, meinte ich zur Mutter, oder ist ER ein Mädchen? Nach der Stimmlage zu urteilen, tippe ich eher auf eine Tochter.

Einhundert Punkte für mich.
Ich versuchte diese verzwickte Angelegenheit dadurch zu entschärfen, indem ich in meiner Smalltalk-Kiste herumwühlte. So plapperte ich munter über die Dekadenz der Reichen, über Hungerbäuche der Armen, dicke Kinder, über Genfraß und Mutationen, über Kinderrechte und einen nahenden Weltuntergang.
Einhundert Punkte Abzug.
Dabei hatte ich mich noch fürsorglich zurückgehalten, um die Kleine nicht mit Schauermärchen über ehemalige Kinder in Altersarmut zu erschrecken. Das macht man nicht.

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