13.10.2014

Hartz IV – Jobcenter, Kunde, Zwangsarbeit

Ich wundere mich immer wieder, dass ein Hartz 4-Bezieher als »Kunde« bezeichnet wird, eine Hartz 4-Behörde als »Jobcenter«.

Ein Sachbearbeiter/In befindet sich gerade in einem Kundengespräch.
Der Kunde wurde (ein)vorgeladen, um mit ihm in einem 10 Minuten-Gespräch seine berufliche Situation (?) zu erörtern, ihn zu einer verbindlichen Unterschrift zu nötigen (Eingliederungsvertrag), und ihn gegebenenfalls in eine staatliche Zwangsmaßnahme einzuweisen, um ihn wiederum als – gemaßregelten Billiglöhner – in das nächste Arbeitslager zu deportieren.
Selbstverständlich aus einer freiwilligen Entscheidung heraus.

Diese Folter kann und sollte so lange praktiziert werden, bis der Kunde zusammenbricht, seiner Eigenständigkeit und seines Willens enthoben wurde.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Kunde" impliziert Service und Kundenfreundlichkeit, die letztlich sicherstellen soll, dasss der Kunde gern immer wieder kommt. Zumindest in der "freien" Wirtschaft wird das so gesehen.

klaus thiele hat gesagt…

"Hartz-IV" ist ein Massenexperiment, wahrscheinlich das größte und umfassendste soziale Experiment in der Geschichte der BRD, um herauszufinden, wie weit sich in Deutschland lebende Arbeitslose bevormunden, gängeln und unterdrücken lassen bzw. wie weitgehend sie bereit sind, auf ihre GRUNDRECHTE zu verzichten.

Daraus lässt sich dann sehr leicht darauf rückschließen, wie man vorgehen muss/kann, um LANGSAM eine (europaweite) Diktatur so durchzusetzen, dass das Volk nicht oder geringstmöglich "aufmucken" wird.

frei-blog hat gesagt…

@Klaus Thiele,
ich sehe dies ebenfalls als ein Experiment an, hatte allerdings selbst längere Zeit benötigt, dies auch zu begreifen. Allerdings ist die Vorstufe des "experimentierens" schon überschritten, und die Realität dieser Politik überrollt uns von Tag zu Tag.
Und: diese Erkenntnis einer beabsichtigten Politik ist leider ein langwieriger Prozess, der sicht nur langsam im Bewußstsein der Bevölkerung entwickeln wird (?). Viel Zeit bleibt dafür nicht mehr, und ich wundere mich immer wieder darüber, mit welcher Leichtigkeit diese Tatsachen verdrängt werden.

PeWi hat gesagt…

Nicht nur die Langzeitarbeitslosen sind "Kunden". Die normales Arbeitslosengeld für eine lächerlich kurze Zeit erhalten, sind ebenfalls Kunden. Als das noch nicht so wahr, habe ich einer Dame vom Arbeitsamt (war es damals noch), die mir dumm kam, gesagt, dass sie von meinem Geld lebe und recht gut lebe und froh sein könne, dass sie nicht arbeitslos werden würde. Dann war Ruhe.Genau so ist es immer noch. Die leben von unserem Geld und haben Manieren wie Blockwarte oder KZ-Aufseher damals. Wenn wir Kunden wären, könnten wir uns schließlich den "Laden" aussuchen, in den wir gehen. Wir würden etwas kaufen und nicht Geld beantragen müssen, um überhaupt zu überleben. Kunden werden freundlich behandelt, Arbeitslose nicht. Kunden haben auch das Recht Beschwerde zu führen, Arbeitslose nicht. Sie werden ganz schnell auf Null gekürzt und erhalten - Kann-Bestimmung, wie ich mal las - höchstens noch Lebensmittelgutscheine. Dieser Staat verschleiert gern mit Worten, dass er das GG bricht. Übrigens, schön, dass dein H4-Tagebuch es in ein Buch geschafft hat.