19.10.2014

Hartz IV-Tagebuch – Armut gefährdet Umsätze

Nein, an eine Tafel geben wir nichts ab, wir entsorgen Lebensmittel, damit der Umsatz der Filiale nicht gefährdet wird.
Ab in die Tonne, und die Tonne durch ein Gitter unerreichbar sichern, damit die noch essbaren Waren nicht geplündert werden.

Da redet ein Filialleiter über Umsatz, der sicherlich nicht dadurch geschmälert wird, wenn er den Überschuß, den er nicht mehr verkaufen kann oder darf, an eine Tafel spendet, die seinen Müll (?) für ein paar Cent an Bedürftige weiterreicht, die ebenso zu seinen Kunden zählen, und mit ihrem Armutsauskommen zum Umsatz beitragen.
Wohlgemerkt: wer aus der Not heraus eine Tafel aufsucht, wird sich dadurch nicht ausschließlich ernähren können. Es bedeutet lediglich eine Linderung für ein paar Tage im Monat, eine kleine finanzielle Einsparung für andere nowendigen Waren, mit denen der Tafelkunde wiederum zum Umsatz beiträgt.

Verstehen Sie das? Ich nicht.

Kommentare:

PeWi hat gesagt…

In einer Welt, wo nur noch der Profit zählt und nichts anderes, wo nur zählt, wieviel Dividende man den Aktienbesitzer zahlen will, kann ein Mensch, der noch ein normales Denkvermögen hat, nicht mehr mithalten. Leider passen sich immer mehr Menschen der 50-IQ-Bewegung an, die sich durch BILD bildet. Somit wird das von dir geschilderte Unding normalin deren Augen und deren Sprache.

Joachim Kleinhans hat gesagt…

Wir Gegner dieser Politik sind mehr als Du denkst. Du bist nicht allein. Es ist nur so, das die Medien alles verzerrt darstellen. So, wie die Berichterstattung über die Lokführer-Streiks. Angeblich sind alle Reisenden stinksauer. Ich behaupte, die Mehrheit ist dafür! Und so gibt es in der Gesellschaft auch bereits ein beträchtliches Maß an Wut, Hass und Ablehnung gegen unsere Politiker von SPD und CDU, von FDP ganz zu schweigen. Sie wird bloss nicht gehört. Die Wahlbeteiligung sinkt, das ist das Einzige Zeichen. Und wahrscheinlich auch das einzige Mittel, obwohl ich bisher immer dachte, dies sei meine Bürgerpflicht; Ich beginne mich zu ändern.
Mein Kompliment für diesen Blog. Ich habe durch Zufall eben von den nachdenkseiten davon erfahren und bin begeistert und dankbar für die ehrlichen Äußerungen. Es ist bewegend mitanzusehen, wie jemand an dem schleichenden Gift langsam zugrunde geht. Das ist kein Voyeurismus. Ich wünschte ich könnte helfen!!!

Soeckchen hat gesagt…

Ohne Dir nahetreten zu wollen, aber die Tafeln sind nicht dafür, um Not zu lindern, sondern um sie zu zementieren. Solange es Leute gibt, die zur Tafel gehen, wird sich die Politik damit herausreden und sich ihrer sozialen Verantwortung entziehen. Mittlerweile sind die Tafeln selbst schon ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das nicht schlecht an der Armut verdient.

Ich persönlich finde, dass es niemamd nötig hat, zur Tafel gehen zu müssen und weggeworfenes (wenn auch noch verwendbares) Essen entgegenzunehmen. Man sollte nie so tief sinken, um das aufzuheben, was andere wegwerfen.

Vielen Leuten fehlt einfach nur die Bereitschaft zum Kochen und haben sich zu sehr ans Dosenaufmachen gewöhnt. Ich mache mit nur 6 Euro vier Leute satt.