09.12.2014

Hartz IV-Tagebuch – minimierte Lebendigkeit

Bewegung; Volker Wulle
























Hat  ein Leistungsempfänger einen Anspruch darauf, seiner Kreativität Ausdruck zu verleihen, sie zu leben, indem er sich notwendige Freiräume sucht, um Freude, gar Bestätigung zu finden?

Ich stelle diese Frage, weil es kaum möglich ist, von einem heruntergerechneten Existenzminimum kreative Fähigkeiten zu aktivieren, die im Grunde nicht anderes ausdrücken, als: Lebendigkeit.

Wer sein Leben unter Sozialleistungsbedingungen (Transfer) ausrichten muß, dem werden selbst kurze Momente des Glücks und der Freude untersagt, menschliche Empfindungen, die den Menschen per Gesetz nicht mehr zugestanden werden.
Wer nicht arbeitet, im Sinne kapitalistisch-menschenfeindlicher Auslegung, dem wird ein Platz im sozialen Gefüge aberkannt. Er wird entmenschlicht und als bedeutungslos entkernt.
Es ist grausam, wie eine Gesellschaft ihre vielgepriesenen Werte selbst mit Füßen tritt, es zulassen kann, dass sie sich sichtlich degenerieren wird, statt Voraussetzungen zu schaffen, um gemeinsam wachsen zu können.

In absehbarer Zeit werde ich das Malen wieder aufgeben müssen, da selbst billige Materialien unerschwinglich werden.

1 Kommentar:

nightowl hat gesagt…

So geht es mir auch. Kein Geld für Ton und Glasur, kein Geld für Druckerpatronen, kein Geld für... .
Dieses Hartz ist so knapp auf Kante, dass einem nichts kaputtgehen darf, kein Haustier krank werden usw.
Mir schlägt das extrem auf die Lebensfreude, da die künstlerische Betätigung eine der wenigen Möglichkeiten zur Transzendierung der eigenen Situation ist und für mich auch essentieller Bestandteil meines "Ich-Gefühls". Doch du kannst schöpferisch oder hochgebildet oder sonstwas sein, es interessiert nicht, wenn du keinen "Job" hast und niemanden, der dich protegiert.

Scheißzeit also, mein Beileid!
(Wenn ich jetzt ein Blümchen hier in den Kasten malen könnte... :) )