25.02.2015

Hartz IV-Tagebuch – angemessenes Rattenloch gesucht

Wer auf Sozialleistungen angewiesen ist, darf nicht menschenwürdig wohnen – Rattenlöcher sollten genügen.

Die Suche nach einer angemessenen Wohnung ist ein mühsames, entwürdigendes Unterfangen.
Wohnungen in staatlich-vorgeschriebener Hartz IV-Größe gibt es kaum, oder sie gehen unter der Hand weg, da kleine Wohnungen unter Hartz IV-Bedingungen von vielen Menschen dringend gesucht werden. Erschwerend kommt noch dazu, dass es kaum noch genügend Wohnraum gibt, der in der Preislage Hartz IV zu mieten wäre. Es sei, man möchte in einem Rattenloch dahinvegetieren.

Eine Sachbearbeiterin der Leistungsabteilung Jobcenter hatte mich einmal frech darauf hingewiesen, ich hätte bisher ja nichts unternommen, um in eine preisgünstigere Wohnung zu wechseln, nachdem ich ihr mitteilte, dass ich aus meinem Regelsatz noch 150 Euro für meine Mietkosten abzweigen müßte.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Dame allen Ernstes der Meinung war, die Kosten für Wohnungen sowie Umlagen hätten sich in den letzten dreißig Jahren nicht verändert. Allerdings ist die Berechnung für Unterkunft und Heizung irgendwo in den Achtzigerjahren steckengeblieben, weitab heutiger realer Verhältnisse. Für 330 Euro Warmmiete gibt es nur noch Rattenlöcher.

Dazu scheint noch eine überwiegende Mehrheit der Meinung zu sein, dass die Existenz eines Hartz IV-Betroffenen wohl reichlich gesichert sei, man kenne dazu einige Beispiele, wie sich Arbeitsfaule auf Steuerzahlerkosten ein nettes Leben bezahlen lassen.
Im gesellschaftlich-sprachlichen Umgangston als Sozialschmarotzer beschimpft, dem jeglicher Respekt und Achtung verweigert wird.

Man kenne ja genügend Beispiele.

Kommentare:

Ina hat gesagt…

Lieber Herr Wulle,

ist mir alles bekannt, wie so vieles von dem Sie hier schreiben.

Eine ebenso auf Leistungen angewiesene Künstlerkollegin

frei-blog hat gesagt…

Liebe Ina, danke für Ihren Kommentar.
Lassen Sie sich in Ihrer Kreativität nicht ausbremsen, auch wenn es oft kaum mehr möglich ist, diesen persönlichen und wichtigen!, lebenswerten Freiraum zu finanzieren. Wir dürfen nicht zulassen, diesem System diese Macht zu gestatten.
Ich wünsche Ihnen Menschen, die dies erkennen und Sie womöglich auch unterstützen werden.
Liebe Grüße-
Volker

Ina hat gesagt…

Hallo Volker,

vielen Dank für die Antwort. Sehr richtig, wie Sie sagen "wichtigen! lebenswerten Freiraum". Das sehe ich auch so. Trotz aller in den Weg gelegter Steine.

Ich habe sogar den ein oder anderen Menschen, wie Sie ihn beschreiben, da ich mich mit anderen KünstlerInnen in einer kleinen Mailgruppe austausche und wir dort auch sehr offen miteinander umgehen können, unabhängig von der Lebenssituation. Was in der alltäglichen Realität schon selten ist.

Hier noch ein Zitat vom Maler Otmar Alt "Kunst ist wie ein Grundnahrungsmittel - Unverzichtbar."

Liebe Grüße
Ina

Procne hat gesagt…

Hallo, meiner Erfahrung nach gibt es unter den Leistungsbeziehern eine zwei Klassengesellschaft, die je nach Kommune auch bei der Wohnungssuche sehr deutlich wird: schuldenfreie Studierte und der Rest. Ich zaehle zur ersten Gruppe und darf in einer sehr schoenen Sozialwohnung leben (Altbau mit Pakettboden, zentrale Lage) dagegen finden Rentner und alle die durch die miese Zahlungsmoral der Jobcenter ihre gute Schufaeinschaetzung verloren keine neue Wohnung. Denen gegenueber habe ich oft ein schlechtes Gewissen. Viele ignorante Mitbuerger, die meine Wohngegend kennen, schlussfolgern auch von meinem Gluecksfall auf alle Leistungsbezieher; meistens scheitern meine Aufklaerungsversuche. Ich wuensche Dir auf jeden Fall auch viel Glueck.