11.03.2015

Hartz IV-Tagebuch – nach unten getreten und vergessen

Ein Kommentar zu:
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/seelsorger-fuer-arbeitslose-die-menschen-sind-so-verdammt-allein-1.2365331

Diese Menschen fühlen sich allein gelassen, weil sie brutal aus der Gesellschaft ausgeklammert werden, selbst in ihrem eigenen sozialen Umfeld teilweise nur noch am Rande teilnehmen können.
Klar, wer in der Armut lebt, kann sich an gesellschaftlichen Aktivitäten kaum noch beteiligen. Diese Menschen ziehen sich zwangsläufig nicht nur selbst zurück und leiden darunter, sie werden zurückgedrängt, ausgeschlossen und sogar gemieden.
Wer nimmt daran keinen Schaden, wenn die Seele meldet: “Ich bin nichts mehr wert”.
Jeder von uns benötigt Bestätigung, um sich als soziales Wesen – als anerkannter Mitmensch einer Gemeinschaft – begreifen zu können. Sehr sehr wichtig für die Psyche, für Lebensfreude und somit auch für die Gesundheit.
Wenn sich darüber hinaus noch ein Bekanntenkreis schmälert, weil sich eben dieser Bekanntenkreis nicht mit den Problemen der Armut! auseinandersetzen möchte, da lästig, ist die Abwärtsspirale zum Rande unserer Gesellschaft kaum mehr aufzuhalten und es droht Vereinsamung.
Ein langsames Absterben von Lebendigkeit und Lebenswille. Es ist unter solchen Umständen fast ausgeschlossen, ein ganz normales Leben führen zu können.

Es geht noch viel weiter: Das urmenschliche Bedürfnis nach Zweisamkeit in einer Beziehung, das Leben mit einem Partner/In in einer gemeinsamen Wohnung, wird per Gesetz (eheähliche Gemeinschaft) nur noch unter strengsten Auflagen ermöglicht.
Ein nicht zu ertragender Eingriff in persönliche Lebensentscheidungen, wenn ein berufstätiger Partner/In dadurch zur Verantwortung gezogen sowie erfasst wird.

Was bezeichnen wir in diesem unmenschlichen System noch als Freiheit? Und, welche Freiheiten werden wem noch zugesprochen? Da oben – ja. Da unten – nein.

Ich habe sehr viel Achtung vor der Arbeit eines Seelsorgers, der sich bemüht, der Verzweiflung geschundener Seelen Trost und Hilfe zu geben. Allerdings wird auch er an seinen Bemühungen scheitern, einer zunehmenden Entmenschlichung entgegenzuwirken.

Zehn Jahre nach der Agenda 2010 werden Menschen immer weiter –verdammt und allein – in die Armut getrieben sowie unter Zwang und Drohungen entmündigt.

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