19.04.2015

Zwiegespräch mit einer Katze

Durch ein kleines Fenster eines Fachwerkhauses sah ich träge eine Katze auf einer Fensterbank liegen. Eine Sonnenecke, in der sie sie sichtlich wohl fühlte, dem neugierigen Menschen eine Pfote entgegenstreckte.

»Wer bist du?«, fragte sie mich stumm.
»Ich bin ein Mensch«, antwortete ich mit einem Augenaufschlag, ebenso stumm, »auf dem Weg irgendwohin. Ich lasse mich treiben, ohne Ziel – ist auch schön.«
Die Katze lachte, wie Katzen eben lachen, bevor sie sich kugeln. »Du bist mir ja einer«, schnurrte sie frech, »ich kenne keinen Menschen ohne Ziel. Menschen sind ruhelose Geschöpfe ohne Sonnenecken, nicht einmal im Herzen.«
Die Katze wälzte sich vor Vergnügen auf ihrer Fensterbank, rieb den Kopf behaglich an einer Zimmerpflanze und sprang davon.

Ich werde sie noch einmal besuchen und ihr weiter zuhören.

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