21.09.2015

Lager der Unerwünschten

Lager der Unerwünschten

Mein Kommentar dazu:

Dies ist erschütternd zu lesen, Menschen, für die nicht einmal eine ausreichende Versorgung an Nahrung vorhanden ist, oder besser gesagt: bewilligt wird. Und das in einem Land, in dem Überfluß als Lebensqualität, sogar als Lebensziel zelebriert wird.

Ich nenne dies Folter, wenn Körper und Psyche bewußt zerstört werden.
Somit passt der Titel „Schamland“, wenn ich mir auch nicht wirklich vorstellen kann, dass der gut bürgerliche Konsument sich seiner prallen Einkaufstüten schämt, wenn in der Nachbarschaft unter Zwangsbedingungen gehungert wird.

Ich erinnere mich an die Aussage eines Tafelbesuchers vor zwei Wochen, sinngemäß: „Ich will von all dem nichts mehr wissen, ich denke nur noch an mich.“ Schrecklich oder? Selbst ein verarmter Hilfebedürftiger, der sehrwohl Armut kennt und (er)leben muß, interessiert sich nicht mehr für das Leid seiner Mitmenschen.

Diesen Menschen kann ich noch verstehen, nicht aber die Realitätsverweigerung derer, die über solche menschenunwürdigen Zustände gesättigt hinwegsehen, sie somit als gegeben akzeptieren und befürworten.

Nebenbei bemerkt empfinde ich es tagtäglich mehr als nur beschämend, wenn Menschenwürde als Kostenfaktor hochgerechnet wird, mit dem zynischen Tenor der Bezahlbarkeit, während gleichzeitig Unsummen an Milliardenbeträgen über Kriege Reichtümer sichern.

Reflexion eines Deutschlands mit Schamgefühl und Unrechtsbewußtsein?




Kommentare:

PeWi hat gesagt…

Supermärkte, Schulen, 3000 Geschäfte mit 12 Mio Umsatz, 3 Krankenhäuser, feste Häuser ... Das ist ein Flüchtlingslager, das in Jordanien. Türkei: Menschen haben Arbeitsplätze, kündigen die und machen sich auf nach Deutschland, weil sie nicht genügend verdienen ... Nur 2 Beispiele. Natürlich ist ein Mensch ein Kostenfaktor. Schließlich zahlen wir Steuern. Diese Steuergelder gibt es nur einmal und können also auch nur einmal ausgegeben werden. Leider werden sie für die Bundeswehr, für die Protzbauten, für den Fußball und vieles mehr Unsinniges ausgegeben. Der Sozialhaushalt ist zwar der größte, wurde aber immer wieder durch Einsparungen gekürzt. Aus diesem Sozialhaushalt wird Kindergeld gezahlt, Aufstockungen für Arbeitende, die zu wenig vedienen, Sozialgeld für Rentner, Zuschüsse für Krankenkassen und Rentenkassen, Zuschüsse für Arbeitslose zusätzlich zu den Versicherungsleistungen, die wir zwingend alle zahlen müssen. Mit den Steuergeldern müssen wir aber auch Straßen reparieren oder bauen, Schulen sanieren, Lehrer bezahlen und andere wichtige Menschen aus dem Öffentlichen Dienst. Krankenhäuser, Universitäten erhalten Steuergelder, die Bahn erhält Steuergelder für den ÖPNV, die Polizei und Pflegekräfte oder Kita-Erzieherinnen. Wir haben einen Finanzminister, der eine schwarze Null hegt und pflegt, ergo erhalten Länder, Städte und Gemeinden immer weniger Geld zum wirtschaften. Das immer wenigere Geld muss nun auf sehr viel mehr Köpfe aufgeteilt werden. Wir leben alle nicht von Licht, Sonne und Luft sowie Menschlichkeit. Wir leben nicht mal alle fett und mit vollen Einkaufstüten. Dieser Teil wird immer kleiner. In der Großstadt in einem Gebiet von Armut, das immer größer wird, sieht man das sehr leicht in den Einkaufswagen. Und Sie müssten das aus erster Hand wissen. Also mit der Fettlebe ist es nicht so weit her. Wir haben nicht genügend Schulen, Lehrer, die oft nur noch Saisonkräfte sind, weil man sie nicht fest einstellen will und wir haben viel zu große Klassen. Um das alles zu ändern, benötigt man Steuern. Geld, was wir zahlen müssen. Die jährlich immer höher werdenden Gebührenabgaben, die sehr schön auf der Abrechnung zur Miete zu beobachten sind, sprechen eine deutliche Sprache. Jeder Mensch ist ein Kostenfaktor, weil jeder Mensch alle öffentlichen Einrichtungen nutzt. Den armen Leuten hier (der Mittelstand ist ja verschwindend gering geworden) und heute vorzuwerfen, dass er präsig auf seiner gefüllten Einkaufstüte sitzt und vielleicht noch von dem wenigen, was er eh schon hat, was auch meist nicht über den Monat hin langt, noch etwas abgeben soll, das nenne ich auch unmenschlich. So schlimm viele Einzelschicksale sind, so kann ein Staat dennoch nicht nach Gefühl entscheiden, sondern muss rational sein. Wir müssen IN den Flüchtlingslagern für bessere Lebensumstände etwas tun. Schließlich werden genau diese Menschen, die heute vor unserer Tür stehen, irgendwann genau in diesen Ländern, die heute Chaos sind, fehlen.

frei-blog hat gesagt…

@PeWi,
Ich habe das Gefühl, dass Du dich bezüglich meiner kurzen Beiträge/Gedanken/Kommentare ziemlich in eine Richtung verbeißt und nicht mehr ausreichend differenzieren kannst, was ich damit ausdrücken möchte. Ich nehme nicht an, dass ich dermaßen unverständlich schreibe, wenn ich meine Einstellung und Überzeugung (nennen wir es Humanismus) den Vorrang gebe, zwischen Menschlichkeit, politischen- und finanzpolitischen Interessen eine strikte Grenzlinie ziehe.
Meine eigene finanzielle Lage mit all den weitreichenden Problemen steht hierbei nicht zur Debatte, auch hier trenne ich strikt. Dies ist ein anderes Thema. Du weißt es doch selbst, wohin die Milliardenbeträge fließen –