30.10.2015

Hartz IV-Tagebuch – ein Selbstwertgefühl erhalten dürfen?

Nachdem ich es in den letzten Wochen bewußt vermied, freitags die Tafel in BC aufzusuchen, da mein Selbstwertgefühl sich strikt verweigerte, als Bittsteller (oder als Bettler) noch darauf zu hoffen, für zwei bis drei Tage meine Nahrung strecken zu können – wenn überhaupt – , versuchte ich es heute wieder einmal, mit einer geradezu schmerzlichen Überwindung widerstreitender Gefühle.

Ich mache mir nichts vor. Meine noch zugesicherte Armutsgrundsicherung wird mich Monat für Monat vor die gleichen Probleme stellen, und zwar vom Monatsanfang bis zum Monatsende.
Von existenziellen Ängsten kann sich niemand ernähren, nur darauf hoffen, dass der letzte Euro für einen Tafelgang ausreicht, nicht dazu noch für eine weitere Strompreiserhöhung angespart werden muß.

Jedesmal, wenn ich ein Bild ermale, frage ich mich danach: Wie lange kann und darf ich meiner Kreativität noch genügend Raum bieten? Nicht mehr lange – auch dies ist absehbar.

Kommentare:

promenadenmischnung hat gesagt…

Da ich im ärmsten und versoffensten Stadtteil einer Großstadt wohne,
ist mir Dank Pfandgutstreife mein persönlicher Tafelgang bislang
erspart geblieben. Spazierengehen muss ich ohnehin (der Nebenwirkungen
meiner Antidepressiva wegen), da ist die Mitnahme von Pfandgut als
Beifang und Schnappgut naheliegend. Das sind im Monat immerhin
45-70 Euronen (wovon man eine Woche (über)leben kann.
Aber es ist gerade noch zu ertragen, mit meinem ohnehin zerstörten
Selbstwertgefühl (jeder Depressionspatient weiss, wovon ich rede).
Aber übermorgen, nach einer Kniearthroskopie, entfällt auch dieses
Einkommensrinnsal auf ungewisse Zeit: an Krücken ist schlecht
spazieren gehen, geschweige denn dabei Zusatztätigkeiten nachgehen.

preussischer Widerstand hat gesagt…

Gib niemals deine Kreativität auf. Denn die macht dich erst zum Menschen. Lass dir das nicht kaputt machen.

frei-blog hat gesagt…

@p.W.
wird nicht leicht werden, das ist meine einzige Sorge.
Gruß Volker