22.12.2015

Sündiges Heranwachsen

Meine Cuosine Anni, Tochter von Tante Biba, Mutter vier gestörter Kinder, wechselndes Mitglied verschiedenster Religionsgemeinschaften, diese moralisch-perfekt ausgestattete Cousine sollte ich – ein neugieriger Fünfzehnjähriger – zwecks eines zwingend notwendigen Gesprächs über meinen verwerflichen Umgang zu einem gleichaltrigen Mädchen aufsuchen, da Mutter sie um Rat bat, nachdem sie mich mit eben diesem Mädchen, Tochter einer fragwürdigen Mutter ohne Mann, dabei überraschte, biologisch einwandfreie Vorgänge zu erkunden.
Anni ermahnte mich, unter Aufbietung ihrer moralischer Spucke, fernab weltlicher Freuden ein moralisch einwandfreies Leben zu führen, jedenfalls so lange, bis mich eh der Teufel verführen würde, in Gestalt einer fragwürdigen Frau ohne Glaubensbekenntnis. Ich sei nun einmal noch nicht erwachsen, ein Schüler, ein Kind, ein Irgendwas –.

Meine Patentante, die an überdosierter Gebetsfixerei verstarb, stand wenige Tage später militant vor unserer Haustür, forderte die sofortige Unterbindung biologischer Vorgänge, die mich nur in die Verdammung treiben würden, weil es ihr Herr J.Chr. nunmal nicht mag, wenn sich normale Fünfzehnjährige normal entwickeln mögen.
Nachdem ich sie kurzerhand aus der Wohnung warf, wurde ich höchst wahrscheinlich, allabendlich, durch Tantchens Rachegebeten mit Höllenfantasien bespickt. Der Sünder, der Schandfleck, sollte schon zu Lebzeiten schmoren.

Anni und Patentante haben seit Jahren ihr angestrebtes Lebensziel erreicht, sitzen wohlbehütet zu Füßen ihres Herrn, beten bis in alle Ewigkeit, dass der Sünder reumütig um Einlass bittet.

Kommentare:

promenadenmischung hat gesagt…

Schon schlimm, wozu Bigotterie führen kann.

Aber ich würde das dem Herrn J. Chr. nicht
anlasten, was ungezählte Irregeleitete aus
seiner ursprünglich sehr menschlichen Lehre
zurecht gepfriemelt haben.

Vielleicht ist ja doch was dran an seiner
Auferstehung: sonst würde er dermaßen im Grab
rotieren, dass es die Erdachse zum kippen
brächte.

frei-blog hat gesagt…

Wäre er nunmal auferstanden, gäbe es noch Hoffnung. Ist er aber nicht.
+gluckst+