19.12.2015

Weihnacht, ein Terrorwecker und betende Hände

Meine Tante Maria, Ordensschwester, damals noch glücklich mit J. Chr. verheiratet, die in Hamburg Altona gegen die Trinksucht aller Hamburger ankämpfte, eine weißgestärkte Haube auf dem Kopf trug, ihre kleine Erscheinung strikt unter grauer Ordenstracht verhüllte, aber ansonst eine lustige Frau war, schenkte mir mit fünf Jahren einen kleinen, kindgerechten Glocken-Wecker zu Weihnachten, ohne sich vorher darüber ernsthaft Gedanken zu machen, dass gerade ein munterer Fünfjähriger fröhlich seinen Eltern auf den Wecker fallen würde, von früh bis spät dies grausam klingende Werk aufzieht – eine geradezu verwerfliche Zwangshandlung kindlicher Terrorfantasien.
Nach einigen Tagen, eher zwei, wollte der Wecker nicht mehr klingeln – angeblich hatte ich ihn überzogen. Klar –

Tante Maria wußte schon, dass mich eine Unterhose, Socken, ein Schlafanzug nicht in Ekstase versetzen würden, im Gegensatz zu meiner Patentante, eifrige Beterin, Mutter vier ebenso eifrig betender Töchter, plus einem missratenen Sohn, die ihre Verantwortung zu mir darin sah, mich Jahr um Jahr mit Silberbesteckteile zu beglücken, weil der Kleine eben schon früh eine Aussteuer benötige, um – gottgewollt  –  seine eigene, betende Familie gründen zu dürfen, resultierend aus Unterhosen, Socken und Schlafanzügen.

Tante Maria verstarb an einem Gehirntumor, meine Patentante an Gebeten.

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