10.01.2016

Damals – organisierte Dreierbande aus Hausnummer 60.

K. war ein Betrüger, beschiss mich beim Murmelspiel, nahm mich regelrecht aus, während ich so blöde war, meine Glasmurmeln zu verzocken, weil K. Murmeln aus Ton nicht akzeptierte.
K. war Sohn eines Cheffahrers der Firma, die nach dem Krieg Firmenwohnungen für Firmenmalocher baute, ein Mann, der nicht nur Narben im Gesicht trug, sogar eine zweite Nase besaß, die ständig qualmte, ein Zigarrenlutscher mit Hausmeisterstatus, Lenker eines Mercedes-Sterns, mit dazugehöriger Fahrerkappe und Ledermantel, allerdings nur noch sechs Finger besaß. Vier davon ließ er wohl an der Front zurück –

K. hatte mehr Autos als ich, aber keine gewichtigen Schucos, die, wenn ich sie richtig einsetzte, blaue Flecken hinterließen, seinen Fuhrpark in einen Trümmerhaufen verwandelten, den Betrüger abstrafte, während K.s Vater im Zigarrenrauch seinen geliebten Stern für die nächste Fahrt aufpolierte.

Unser Nachbar aus dem ersten Stock stellte im Winter sein Goggomobil auf Backsteine, während K., B. und ich schon darüber nachdachten, ob es ihm gefallen könnte, wenn wir das Goggo mit weiteren Backsteinen erhöhen, oder die Schüssel einfach wegtragen, in die Büsche stellen, weil Kinderlärm das Geknatter seiner Karre störe, er Zucht und Ordnung einforderte, an seinem Fenster im ersten Stock Berichte schrieb, über verantwortungslose Eltern, deren Kinder sich unter langen Haaren verstecken, Negermusik hören und heimlich qualmen.

Der Mann war blöde, aß sicherlich keine Maggibrote, wußte auch nicht, wie man mit einem Stielkamm Zigarettenpackungen aus Zigarettenautomaten herausangelte, auch Kippenstechen genannt, für uns feinmotorische Übungen, um für den Ernst des Lebens gewappnet zu sein.

Organisierte Kriminalität einer Dreierbande, die nicht einmal davor zurückschreckte, dem Blöden aus dem ersten Stock eine abgegriffene Playboyausgabe vor die Haustür zu legen, für jeden sichtbar, sogar für seine Frau.
Psychologische Kriegsführung aus Hausnummer 60.

Keine Kommentare: