08.01.2016

Damals – Volksschule und Familienwappen

Als Zweitbester meiner Volksklasse, ein begnadeter Volksschüler der ersten Stunde, war ich stolz darauf, auch ohne Mitwirkungspflicht meines Volksschullehrers Lesen und Schreiben zu erlernen, der sichtlich ermattet, seinen müden Nachkriegskopf auf bequemem Lehrerpult plazierte, Unterrichtstunden verschlief, zwischendurch von einer Pausenklingel aufgescheucht wurde, bis er wieder – angesichts seiner Schüler – in leisen Schnarchtönen versank.
Damals hieß Grundschule noch Volksschule, da durfte ein Penner auch schon mal auf Finger schlagen, sollte er sich gestört fühlen.

Ich wechselte nach dem vierten Schuljahr meinen Volksschülerstatus, durfte in höherem Gefilde herumschnuppern, in dem sich ebenso Nachkriegspenner herumtrieben, deren geistige Rohrstöcke mit akademischer Strenge darüber wachten, ob ein Arbeiterkind überhaupt in der Lage sein dürfte, in diesen heiligen Hallen ein Abitur zu erreichen, wenn schon die Eltern aus einfachem Volk geboren wurden, der Vater ein Löhner, die Mutter Putzfrau in akdemischem Haushalt, der Schüler nicht einmal ein Familienwappen verstand, obwohl Wappentochter zu Kuchen bat, so, wie es sich gehörte, als brave Tochter frühzeitig Spreu vom Weizen trennte, mir – dem Zweitbesten meiner Arbeiterklasse – keine Beachtung mehr schenkte.

Note: mangelhaft –

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