27.02.2016

Hamid und die Handgranate im Klingelbeutel.

Der Jäger hatte ein schwerwiegendes Problem an der Backe.

Die tote Wildsau war gar keine echte Wildsau, sondern der Hamid aus der Kirchgasse, den er mit seiner automatischen Heckler erlegte, die ihm ein bekannter Neonazi aus dem Nachbardorf vor Tagen für einen Freundschaftspreis im Geräteschuppen deponierte, als Zugabe sogar eine Handgranate beilegte, für den Fall, sollten wilde Horden im heimischen Wald herumvagabundieren, ein Zeltdorf gründen, womöglich noch mit einer Moschee, eigenem Supermarkt, Parkuhren, Kindergärten und Schulen, Korandruckereien, Parteibücher, Bürgermeister, Minister –

Du Bürgermeister, schrie der Jäger in sein Handy, wir haben ein Problem an der Backe, das wir aus der Welt schaffen müssen, ich hatte versehentlich den Hamid in sein sicheres Herkunftsparadies geschossen, der liegt jetzt im Wald herum und spielt das Opfer im deutschen Ostwald, ausgerechnet jetzt, nachdem wir für unsere vorbildliche Dorferneuerung –  höchst persönlich von der Petry – gelobt wurden, die ja immerhin unsere Gemeinde wohlwollend als Hochburg deutschen Widerstandes bezeichnet.

Du Jäger, schrie der Bürgermeister zurück, wenn die Presse davon Wind bekommt, war ich mal Bürgermeister und du Jäger; dreihundert Jahre Dorfgeschichte wären somit voll für Arsch. Verbuddel halt die Heckler, um den Hamid kümmert sich schon der Pfarrer, aber kein einziges Wort wegen der Handgranate meines Schwiegersohns, der sich nun mal alle Mühe macht, unsere Gemeinde am Hindukusch zu verteidigen.
Gelle, bist ja ein braver Depp.

Während sich der Trauerzug wegen Hamid in Richtung Ost Friedhof bewegte, von der Kirchgasse zum Muselgrab, das Dorf – in Schwarz gehüllt – Ehrensalute aus Hecklers verschoss, fand ein Messdiener im Klingelbeutel eine einsame Handgranate ohne Absender –

Nachtrag:

Hamid aus der Kirchgasse verstarb an einem Herzinfarkt beim Pilzesammeln.
Kirche und Dorf stehen weiterhin vereint im Heimatverein.

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