29.02.2016

Hartz IV-Tagebuch – jammer nicht herum.

Kein anständiger Verarmter mit sozialem Gewissen redet über seine Armut oder beschreibt sein Dasein. Er lebt- und erlebt sie, fügt sich hinein, passt sich seiner aufgezwungenen Armut an und schweigt darüber fein still.

Nur nicht anecken, es will im Grunde niemand wissen, weil sich Armut nicht zeigen darf, Leid nicht aus den heimischen Wänden nach außen dringen, nicht auf die Straße getragen werden sollte.
Wer klagt, wird als Jammerlappen herabgewürdigt ausgegrenzt – Armut stinkt nach Hilflosigkeit und wucherndem Krebsgeschwür.

Es ist schon bitter, wenn ich eigenes Erleben in Sarkasmus verpacke, um mich in diesem Verarmungselend noch lebendig fühlen zu dürfen, meine Lebendigkeit, mein Mensch-sein-bleiben-wollen bewahren möchte.

Hartz 4 ist kein Aufreger mehr wert, so erscheint es mir.
Der soziale Kahlschlag wurde in der Agenda 2010 fest versiegelt und wird weiterhin vorangetrieben werden, Armutsentgelde unter Sanktionsandrohungen als Mindestlohn für Mindestmenschen subventioniert, um eine ersichtliche Armut erst gar nicht entstehen zu lassen, denn:
uns allen geht es gut, Rüstungsexporte aus Verarmutsdeutschland sind weiterhin begehrt, wenn auch mit schweren Folgen zu rechnen sei, Kriegsflüchtlinge als Jammerlappen ersaufen sollten, bevor sie völkerwandern.
...
Links ist da, wo der Daumen nach rechts zeigt –

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