19.04.2016

Damals – Kuchen nach dem Weltkrieg.

Sie saßen in der guten Stube, unterhielten sich über Dinge vor und nach dem Krieg, aßen Selbstgebackenes, tranken Kaffee aus Blümchentassen, die ohne Schaden Bombennächte überlebten, das Service ja, die Nachbarn nicht, der Bruder fiel im Waffendienst, ein Sohn war noch zu jung dafür – ein Partisan in Ehren – sein Bild hing stumm, an einem Nagel an der Wand.
Onkel Gustav posierte stolz in Uniform, im Album der Familie.

Wir Kinder spielten mit Pistolen aus Holz, Onkel Johann lachte bitter dazu auf, während ein vergilbter Zeitungsausschnitt Tante Käthe ehrte, nach der Verleihung ihres verdienten Ordens als Deutsche Mutter.
Das Album verschwand danach in der Schublade gehüteter Erinnerungen vor dem Wahnsinn, bevor sich Fotografien ihrer eigenen Sprache bewusst werden konnten.

Onkel Johann schrie in der Nacht, Vater und Mutter schrien aus ihren verdunkelten Träumen heraus, hielten Decken bereit, lagerten im Keller Notreserven für einen weiteren Krieg, gerade zwölf Jahre nach Kriegsende, im Wiederaufbau des drohenden Irrsinns einer atomaren Abschreckungspolitik –



Keine Kommentare: