20.05.2016

Ashram im Fachwerk.

A. war Architekt für Garagen und Hundehütten, ein bekennender IndienFan mit einschlägiger Erfahrung (zwölf Monate purer Ashram), lies sich gerne über Ashramfreuden aus, sah sich als Babba einer zeugsrauchenden Wohngemeinschaft, ging jedem verfügbarem Opfer mit seinem spirituellem Gelaber auf den Schmerzkeks, sah sich hin und wieder ein Tantra an (esoterischer Softporno), und verbrannte im Winter geizig alles Brauchbare in seiner geliebten »Hexe« (UromasTerror-Küchenofen), der die gemeinsame Wohnküche seines Lebenswerks (Klein Ashram) in eine Sauna verwandelte, sein angestrebter Ort purer Harmoniebedürfnisse mit Erbsenpüree sowie Erinnerungen an indische Glückseligkeiten – unter süsslich verbotenen Düften (klar: Ashram bis zum Abwinken).

A. profitierte mehrmals täglich vom Glockengeläut einer Kirche (zwanzig Meter Luftlinie), das sich dröhnend bis in die letzte Hirnfaser festsetzte, donnernd jeden Nicht-Inder beschallte, der sich im Herzen doch lieber Ashramglöckchen wünschte, weil die halt zärtlicher herumbimmeln, im Winde abgebrannter Räucherstäbchen aus dem Bioladen.

Unter dem Fachwerkdach (weit unterhalb des Kirchturms) züchtete A. spirituellgedüngte Tabakpflanzen, übte – unter Yogaschmerzen – seinen nächsten Indien Date mit indischer Gelassenheit, träumte sich in den nächsten Ashram, von einem Babba angeleitet, der jeden europäischen Yogisten freudig in der Pfeife rauchen möchte.
Der Bypass war nicht eingeplant. Und schon gar nicht die Atombomben der Babbas aus der Ashramwelt.


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