01.05.2016

Damals – Zigarren am Sonntag.

Herr A., ein Schneider, rauchte Zigarren, besuchte uns regelmäßig an Sonntagen, eine quälende Stunde, um meinen nichtgläubigen Vater daran zu erinnern, dass auch er – jederzeit – zum rechten Glauben finden könnte, überreichte Vater eine Zigarre mit Binde, ein Ritual zur Einleitung missionarischer Berufungsaufgaben.

Er sei, so Herr A., mit Hilfe des Herrn aus einem russischen Lager geflohen, ein langer Fußmarsch bis zur Heimat, nun sitze er sicher in seiner Schneiderstube, umnebelt von Zigarren und Kriegserinnerungen.
Vor Mittag verabschiedete sich Herr A. gutgelaunt von Vater, Mutter, Kind, sprach ein Gebet aus Nebelschwaden, verschwand nur sieben tagelang – bis nächsten Sonntag wiedermal.

Mutter, Vater, Kind, teilten sich ein karges Sonntagsessen, montags teilten sie die Reste auf.

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