21.01.2017

Hausgespenst

Irgendwann nistete sich bei mir ein Hausgeist ein, wühlt sich durch Schränke, isst schamlos aus meinen Töpfen, döst herum auf meinem Sofa, stimmt in Nächten wilde Lieder an.
Wer bist du sonderbarer Troll, frage ich gelegentlich, wenn er/es auf die Spitze treibt; doch Fragen bringen ihn/es nur zum Lachen, dann treibt er's bunt wie wild und hemmungslos mit der Geduld.

Ein harmloses Beispiel seiner Niedertracht:


»Zur Kanne Kaffee ist gut Denken,
philosophisches Verrenken,
Filter bricht entzwei,
welch Sauerei mal zwei –
oh Glück.«


Ich fragte den Dorfpfaffen, ob er sich dies erklären- oder vieleicht eine Anfrage nach Rom richten könnte. Möglich wäre immerhin, dass sich der kleine Teufel nur verirrt hätte, sozusagen versehentlich im Jahre 2017 n. Chr. bei mir landete; ein missglücktes Experiment vieleicht, oder eine schlampig programmierte Zeitreise aus dem Jenseits.
Dem Pfaffen entglitt ein Fluch aus seinem heiligen Munde: ob ich nichts Besseres zu tun hätte; wohl wäre er Theologe, sogar ein gestrenger, aber, mit solchen Dingen möchte er bitte nichts zu tun haben, dies schade seiner seeligen Gemeinde nur und nähre Aberglauben wie damals – in finsteren Zeiten. Ich sollte nicht verzweifeln, meinen Trost in täglichen Gebeten suchen.

Danach wandte ich mich an den Dorfpolizisten, spekulierte über den drohenden Untergang unseres abendländisch-kulturellen Dorfes, über eine sichtbare Gefahrenlage, und darüber, dass die Welt voller Übel sei, sähe meinen häuslichen Frieden bedroht – er sollte um gotteswillen Alarm schlagen, wenn's schon die Kirche nicht könne.
Genervt blickte der Bulle zu seiner Dienstwaffe, wobei bei mir die Frage aufkam, ob er seinen Feierabend verteidigen- oder beherzt meine Bude stürmen wollte.
Keine Chance, ihn an diesem Freitag noch zu bemühen, er müsse über's Wochenende zu einer Weiterbildung; mit der Bundeswehr den Ernstfall trainieren, damit man Spinner (wie mich) wieder zu klarem Kopfe führen kann.

Ich fühle mich alleingelassen, von Kirche und Staat, werde noch heute mein Bündel schnüren und flüchten.

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