10.04.2017

Gewissensbisse in Kriegszeiten.

Gott sei Dank – ich bin kein Mörder.
Diesem Gedanken weiterfolgend, stand ich grübelnd bei REWE vor der Frischfleisch-Theke, betrachtete marinierte Körperteile einst lebensfroher (?) Hühner, philosophierte mit geschlossenen Augen (hilft bei auftretendem Reflexionschaos), ob mein Seelenheil gefährdet wäre, sollte ich meiner archaischen Lust nachgeben wie ein Tier –  bei diesem Anblick des Grauens.

Meditieren Sie niemals vor einer Fleischtheke.
Möglich, dass mir die vorösterliche Hektik herumspringender Kunden meine verbliebenen Sinne vernebelte, vieleicht litt mein Gewissen auch schon unter Qualen (Tiefenpsychologie), als ich es wagte, meine Augen wieder zu öffnen, um mich in dieser mörderischen Welt zurecht zu finden.

Es lässt sich nur schmerzlich beschreiben, was ich sah, was ich sehen sollte, was mich selbst in nachfolgenden Träumen verfolgen würde:
Ein amputierter Oberschenkel bewegte sich plötzlich in würziger Marinade, bekleckerte meine Stirn mit einem vorwurfsvoll-gezielten Marinadentropfen.

Nein, schrie ich empört zum Himmel, wo werden wir alle noch enden?

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